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Die Tierwelt

Verwundert würden wir uns die Augen reiben, wenn bei einem Spaziergang in heimischem Wald und Feld unvermittelt eine gravitätisch schreitende Elefantenherde oder ein pirschendes Löwenrudel an uns vorüberzöge. Für die Urmenschen Mitteleuropas war das völlig normal. In den letzten Warmzeiten beherrschten hierzulande Tiere die Szenerie, die heute nur noch in den Naturreservaten Afrikas freilebend anzutreten sind. Hierzu gehören z.B. auch Nashörner, Hyänen und Riesenhirsche. Auffällig ist der kolossale Körperwuchs der meisten dieser Geschöpfe. Dabei bevölkerte durchaus auch das uns heute vertraute Wild die verschiedenen Landschaftstypen, noch ergänzt um erst in der frühen Neuzeit hier ausgerottete Tierarten, wie etwa Wolf, Bär und Auerochse. Der Mensch gehörte schon zur Spitze der Nahrungskette, rivalisierend mit Löwe und Hyäne. Dennoch war auch für ihn die Gefahr allgegenwärtig.


Pflanzenfresser


Rinder | Zwei ausgestorbene Rinderarten sind im einstigen Geiseltaler Seebiotop nachzuweisen: der Auerochse Bos primigenius und der Steppenbison Bison priscus. Beide Arten besetzten verschiedene ökologische Nischen, besaßen aber mit fast zwei Meter Schulterhöhe und drei Meter Länge Maximalgröße.

Abb. X: Skelett des Holotypus, des fossilen Damhirschs (Dama dama geiselana) Neumark-Nord 1,
LDA Sachsen-Anhalt, Juraj Liptak

Die kleinen Auerochsen-Herden lebten in direkter Nähe zum See. Die Reste mehrerer Exemplare, darunter zwei fast komplette Skelette, bestätigen dies. In jener Landschaft mit Stauden, Büschen und lichten Laubwäldern fanden sie ihre bevorzugte Nahrung. Dort suchten sie auch Verstecke zur Gegenattacke auf ihre Jäger – Raubtiere und Menschen. Dennoch unterlag so manches dieser extrem wehrhaften Tiere.


Steppenbisons lebten hingegen die meiste Zeit in großen, mehr als 100-köpfigen Herden. Sie benötigten offene Grassteppen für ihre Ernährung und zyklischen Wanderungen. Der abgelegene See wurde nur gelegentlich aufgesucht, entsprechend selten sind Funde von diesen Vorläufern der heutigen Wisente und „Indianer“-Büffel.

Pferde | Skelettreste von urzeitlichen Wildpferden Equus mosbachensis bzw. taubachensis am einstigen Geiseltalsee verraten die Nähe von offenen Grassteppen. Die großen, bis zu 160 cm Schulterhöhe messenden Tiere kamen zur Tränke dorthin. Mit ihren Stehmähnen glichen sie heutigen mongolischen Przewalskipferden. Geführt von einer erfahrenen Leitstute durchzogen die bis zu 20 Tiere umfassenden Herden ihre Weidegründe. Die hochkronigen und robusten Zähne waren an die Hauptnahrung – harte Steppengräser – angepasst und wuchsen fast lebenslang weiter. Die argwöhnischen Fluchttiere fühlten sich in lichtem Gelände deutlich wohler als am sumpfigen Seeufer mit dichter Vegetation und lauernden Jägern – Löwe, Hyäne, Wolf und Mensch. Zu Recht, denn die gefundenen Pferdereste – vor allem fleischarme Fußknochen
– dürften Schlachtabfall sein. Die menschlichen Jäger haben lediglich die ertragreichen Körperteile mitgenommen. Nur wenige Knochen wurden gleich am Ufer aufgeschlagen, um an das begehrte Knochenmark zu gelangen.

Hirsche | Mehrere Hirscharten besetzten verschiedene ökologische Nischen im Geiseltal. Über 100 in Neumark- Nord geborgene Individuen repräsentieren fundstatistisch die häufigste Großtiergruppe. Die Vegetation am See bot idealen Lebensraum für Damhirsche, die unterholzreiche Laubwälder bevorzugten. Im Umland bevölkerten Rot- und Riesenhirschrudel die Baumsteppen. Rehe zogen durch dichter bewaldete Gebiete.

Das Seebiotop bot Tränke und frische Kräuter. Die Hirsche kamen aber auch, um an Soleaustritten Salze aufzunehmen. Besonders die männlichen Tiere benötigten diese Mineralien zur Bildung des jährlich abgeworfenen Geweihs.
Warum lagen so viele Skelette gut erhalten im See? Einige Hirsche wurden offenbar von Menschen getötet, andere von Raubwild. Die meisten Überreste zeigten aber keine Spuren von Gewalt. Gingen die Tiere an Bakteriengiften ein, die sich bei Sommerhitze hochkonzentriert im flachen See gebildet haben könnten, und sind deshalb auch nicht von Aasfressern angerührt worden? Wahrscheinlicher ist jedoch, dass diese Hirsche innerhalb vieler Jahrhunderte starben, weshalb ihre Fundzahl nicht ungewöhnlich ist.

Nashörner | In der Umgebung des Sees von Neumark-Nord lebten gleich drei Nashornarten, die unterschiedliche Ansprüche an den Lebensraum stellten. Sie alle gehörten zur Gruppe der Halbpanzernashörner und besaßen demgemäß zweiHörner.Von jeder Art liegt Knochenmaterial mehrerer Exemplare vor.In lichten bebuschten Wäldern ernährte sich das Waldnashorn Stephanorhinus kirchbergensis von den Blättern und Trieben. In seiner Lebensweise glich es dem heutigen Spitzmaulnashorn. Der Lebensraum des Steppennashorns Stephanorhinus hemitoechus befand sich dagegen in offenen Steppengebieten. Wie das heutige Breitmaulnashorn äste es hauptsächlich Gräser und Kräuter. Etwas überraschend lebte zur selben Zeit auch das Wollhaarnashorn Coelodonta antiquitatis, das eigentlich zur kaltzeitlichen Tierwelt zählt. Als Steppentier ernährte es sich ähnlich wie das Steppennashorn, jedoch spezialisiert auf harte Grassorten.

Der See diente als Tränke, aber auch als Suhle, um sich von Ungeziefer zu befreien. Bei solchen „Schlamm- vergnügen“ konnten selbst Nashörner von Löwe oder Mensch überrascht werden. Zumindest ein Schlachtplatz ist nachgewiesen.

Fleischfresser

Löwen | Vor 200.000 Jahren durchstreiften Löwenrudel das Geiseltal. Jene Höhlenlöwen Panthera leo spelaea – der irreführende Name beruht auf den begünstigten Erhaltungsbedingungen an den zuerst dokumentierten Fundplätzen – waren mit Schulterhöhen bis zu 150 cm um etwa 10% größer als heutige Artverwandte, in Körperbau und Verhalten ihnen aber ähnlich. Altsteinzeitliche Bildwerke lassen erkennen, dass diese Subspezies keine ausgeprägte Mähne besaß.


Die Raubkatzen lebten im Steppengelände nahe ihrer Hauptbeute, den großen Huftieren. Der See lockte sie allerdings nicht nur als Tränke, sondern auch zum Lauern auf durstige Tiere.


Zudem fanden sie dort auch immer wieder Kadaver von Elefanten und Nashörnern, die lebend nur bei größtem Hunger angegriffen wurden. Doch auch sie selbst fanden dort den Tod, wie Skelettreste mehrerer Exemplare zeigen. Einer der Knochen trägt Bissmarken wohl von Hyänen, die auch damals unerbittliche Gegner der Löwen waren.


Die Entwicklungslinie von Löwe und Tiger trennten sich vor ca. 2,6 Millionen Jahren. In Europa sind erste Löwen vor etwa 750.000 Jahren nachzuweisen. Während der letzten Kaltphase vor rund 20.000 Jahren verschwand diese Tierart hier.


Abb. 29:
Exkremente einer Höhlenhyäne, Neumark-Nord, ca. 200 000 v.u.Z., LDA Sachsen-Anhalt, Juraj Liptak

Hyänen | Zahlreiche Tierknochen – vor allem von Elefanten, vereinzelt aber auch vom Löwen – aus Neumark-Nord
tragen tiefe Bissmarken von Höhlenhyänen Crocuta crocuta spelaea. Diese katzenartigen Raubtiere zermalmten mit ihrem kräftigen Knochenbrechergebiss zäheste und härteste Kadaverreste. Mit bis zu einem Meter Schulter- höhe waren sie etwas größer als heutige Artverwandte und, wie jene auch, gefährliche Rudeljäger. Doch vor allem als Aasfresser spielten sie für das Ökosystem eine wesentliche Rolle, da sie so Krankheitsherde beseitigten. Selbst Knochenstücke wurden vertilgt. Durch solche mineralreiche Kost blieben sogar Exkremente dieser Tiere fossil erhalten.

Zwar fanden sich Überreste von Hyänen direkt am ehemaligen See, doch eigentlich lebten sie im Steppen- gelände der Umgebung, um große Huftiere zu jagen. Ihre Rudel umfassten etwa ein Dutzend Individuen. In dieser Kampfstärke konnten sie andere Raubtiere und auch Menschen attackieren, um deren Beute abzujagen oder sie selbst zu erlegen.
 

 

 

 


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