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Vorwort (und Nachwort) des Gründungsvorsitzenden des Fördervereins „Zentrum für Zukunftstechnologie Kunst und Design Zentralwerkstatt Pfännerhall“ Peter Luckner

Nach Abbruch des Projektes „Bürger*innen-Forum Geiseltal –Das AndereParlament.de“ , das vom Vereinsvorsitzenden Peter Luckner zum ideellen Gewinn der Zentralwerkstatt Pfännerhall initiiert worden war, bleibt als sichere Bank und der aktuellen gesellschaftspolitischen Lage und möglicherweise auch den regionaltypischen Haltungen der Geiseltalianer angemessene Nutzungs- und Betreiberweise der Zentralwerkstatt das Anbieten von Räumen für öffentliche und private Dienstleistungen.

Wir erfahren alle, dass die Corona-Pandemie auch für nachhaltige Disruptionen in Existenz und Wirkungsweise von Communities sorgt (Community: u.a. Gemeinschaft, eine Gruppe von Menschen mit Zusammengehörigkeitsgefühl oder gemeinsamen Interessen).

Wenn man die Statements der nachdrückenden Influenzer der Pfännerhall-Vereinspolitik (einen Link dazu verkneif ich mir) hört und begreift, dann kann man aufgrund dieser Bekundungen die Entwicklung als Heraufdämmerung eines Projektes „Verschwörungsstadel Pfännerhall“ ahnen. Was geht da ab? Der Jan Böhmermann nähert sich dieser Frage konsensfähig. Er spricht von dem Mangelhaften an der Gegenwart, das autoritäre Gelüste nährt. Manchem mag der Dunning-Kruger-Effekt geläufig sein, demgemäß sich gerade Idioten für Genies halten: „Wenn man inkompetent ist, kann man nicht wissen, dass man inkompetent ist“. Arno Frank sieht die Bedingungen dieser zerebralen Difformität in der Klick-Periode besonders fertil. Andererseits sichern nach Louis Althusser nicht nur die Instrumente der politischen Gesellschaft, also etwa Gesetze, Verordnungen und Bußgelder, das Bestehende ab sondern diese „Bestands“-Beeinflussung, was Stabilisierung und Entwicklung aber eben auch Störung durch bewusste Manipulation einschließt, findet auch durch die Arbeit am Bewusstsein in der ideologischen Gesellschaft, etwa in Vereinen, statt. Jetzt könnte man Foucault in die Diskussion einbringen, indem man auf die Technologie der Macht abhebt. Die Gesellschaftsmitglieder lassen sich mit digitalen Influenceskills viel effizienter beeinflussen als den Instrumenten des Verwaltungsstaates (Gesetze, Verordnungen, Bußgelder). Es bleibt bei einer Dialektik der Input-Output- Dimension demokratischer Legitimität. Die Probleme der Pandemie erfordern zivilgesellschaftliche Mitsprache als Ressourcenpool der Parlamentsdebatten. Susann Worschech von der Europa-Universität Viadrina spricht von einem Bürgerrat zur resilienten Gesellschaft der die Möglichkeit hätte “jene Probleme zusammenzudenken, welche die größten Herausforderungen der nächsten Jahre darstellen: Klima, Pandemie, und Polarisierung der Gesellschaft…“. Solange die „totalitäten Gelüste“ als Unmutsäußerungen verstanden werden können ist deren Berücksichtigung ein ernstzunehmendes Thema. Wenn man aber „individuelle Freiheit“, was war das gleich nochmal, Menschenfreundlichkeit (deren Indikator, mit Schopenhauers Schärfe auf den Punkt gebracht, ist: die unmittelbare, instinktartige Teilnahme am fremden Leiden als Quelle von uneigennützigen Taten) gegenübersetzt, hört die Diskussion auf. (Dazu, anlässlich der Querdenken-Demo am 7.11. in Leipzig: „Das Problem heute besteht darin, dass den DemonstrantInnen ihre eigene Meinung derartig wichtig vorkommt, dass sie sie sogar gemeinsam mit den Hardcore-Nazis zum Ausdruck bringen. Und dass sie anschließend schnurstracks von diesem Superspreader-Event nach Hause fahren, um dort Covid-19 zu verbreiten und damit den Tod ihrer Mitmenschen billigend in Kauf nehmen“(Anja Maier)). Es muss ja nicht zwingend sein, dass materiell verunsicherte oder kulturell unterversorgte Gesellschaftsschichten zur „Fußtruppe des Rechtspopulismus“(Stephan Reinecke) ausarten. „Denkt über Bündnisse von Akteuren mit unterschiedlichen Systemlogiken nach. Gründet Orte dafür, Foren, in denen sich die unterschiedlichen Logiken gegenseitig verunsichern können und wo auch die Übersetzungskonflikte hart ausgetragen werden können“(Armin Nassehi). Und das geschieht in Bürgerkonferenzen und Bürgerforen. Solche Beteiligungsaktionen von Vertretern der Bevölkerung an politischen, verwaltungsorganisatorischen und gestalterischen Entscheidungen der Regionalentwicklung, wir sind jetzt wieder in Pfännerhall, sind ja nicht an eine auf Außenwirkung bedachte Inszenierung, wie sie Luckner wollte, gebunden ( s. hierzu das imaginäre Bild des Pfännerhallforums). Ein runder Tisch genügte. Es ist an der Landkreisverwaltung, das einzurichten und zu organisieren.

Das Projekt „Bürger*innen-Forum Geiseltal „DasAndereParlament“ ist gecancelt. Dieser Vorgang ist der Endpunkt eines finalen Richtungsstreites „quo vadis Pfännerhall“. Profiliert sich die Zentralwerkstatt Pfännerhall als regionales Dienstleistungszentrum oder eingebunden in die Konferenz der Bürgerstiftungen als überregionales Impulszentrum? Diese von Dr. Luckner forcierte Entwicklungsstrategie entsprach seiner Auffassung wie der seiner im Verein verbliebenen von Anfang an am Vereinsaufbau beteiligten Schüler, dass Pfännerhall , gemäß der Gründungsimpulse durch international Aktive (Jungk, Kmentt(AU), Selle, Doernach, Löbach(D), Kremer, Jones(USA), Van Boxelaer (B), Boitschuk(UA)), ins Überregionale, Nationale und Internationale hinüberwachsen müsse. Freilich ist diese Intention nicht frei von den Entwicklungsbedingungen von Verein und Immobilie zu denken und zu verfolgen. Allein die nackte Erhaltungssituation Pfännerhalls, die Konditionen waren zu Renate Patzens-Zeiten noch sehr viel günstiger, kostet heute teuer Geld. Was an Technischer Gebäudeausstattung (TGA) damals neu war ist jetzt zwanzig Jahre alt. Und Covid-19 liefert ein Übriges an Erschwernissen. Das Team Patz/Luckner kämpfte unter günstigeren Umständen, die Umweltministerin und die Regierungspräsidentin waren Freunde. Heute? Ich möchte es nicht ansprechen. Andererseits war da der stark abwägende Sinn der Mathematikerin Dr. Patz. Ich verhehle nicht, dass mir die unternehmerische Chuzpe mehr entspricht, deshalb sitzt Roland Karge seit 2016 auf diesem Sessel. Die Kehrseite ist, dass Patz offener für gesellschaftliche Innovationen war.

Klar ist, ich lasse die kühne Intervention gegen die Kahlschlagskampagne der frühen Neunziger, konkret den Abriss der Maschinenhalle Braunsbedra, durch heutige orientierungsnotbasierte Verunsicherung nicht kleinmachen. Das Schlimmste was Pfännerhall passieren könnte ist, wenn es anstelle eines Ortes der Zukunftsgestaltung und Kunst zum Hot Spot von Tumultkampagnen würde.

Wer erklärt mir`s. Weshalb interessiert sich lt. Sozialkundelehrern des Gymnasiums in Mücheln so gut wie kein Jugendlicher für das Thema Praktische Partizipation. Dagegen ist die Haltung der Kirch-Gemeinde nur kurios (als Statement im Prozess der Projekt-Vorbereitung des Arbeitsschrittes „Regionalbarometer Geiseltal“ geleistet), man mische sich nicht in politische Angelegenheiten des Staates ein, da doch sogar der Oberhirte, Jorge Mario Bergoglio, der Meinung ist, dass man „nicht alles von denen erwarten dürfe, die uns regieren. Stellen wir uns dem Guten zur Verfügung“ (Fratelli tutti). Der Krumpaer Roland Karge sagte vor einem Jahr: Peter, dein Projekt passt nicht ins Geiseltal. Er wusste mehr als ich.

Zurück zur Pfännerhall-Historie der „Neuzeit“. Die Einrichtung der Dauerausstellung zu den Fossilien gilt als beachtlicher Coup zur Identifizierung der Bevölkerung mit ihrer Heimat. Der Altelefant sollte auch der Kristall des Fossilienparkes Geiseltal sein. 2009 brachte Luckner per umfangreich illustriertem Exposé den Vorschlag ein, das Geiseltal als Fossilienpark einschließlich einer Dependance des Geiseltalmuseums zu organisieren. Reaktion in Merseburg: einerseits Reserviertheit andererseits die „Geburt“ des Spinners aus Halle. Zum 12. Zukunftsforum 2010 (Die Fossilien des Geiseltales) kam dieser Projektentwurf noch einmal per beantragter Machbarkeitsuntersuchung auf die Agenda. Durch das Desinteresse oder auch die andere Orientierung des damaligen Landrates wurde diese potentielle Projektpforte „vergeigt“, da im Finanzierungsantrag für die Machbarkeitsuntersuchung Pfännerhall als Museum geführt wurde und der Projektantrag damit chancenlos war. Damit wurde die Perspektive der Besonderung des Geiseltales, das Durchbrechen der Nutzungsroutine für Bergbaufolgelandschaften zwischen der Lausitz und Thüringen, verspielt.

Im Facebookeintrag Fundort Pfännerhall-Fossilienausstellung sowie Zentralwerkstatt Pfännerhall- Bürgerforum ist die Geschichte Pfännerhalls knapp gefasst. Dort wird gefragt: „quo vadis Pfännerhall“:

„Pfännerhall“ war gewissermaßen eine Zangengeburt. 1992, da noch als Maschinenhalle Braunsbedra, stand sie auf der Abbruchliste. Man wusste nichts mit ihr anzufangen und außerdem war für die blühenden Landschaften Platz zu schaffen. Luckner&Co waren frisch und frei genug, gegen diese „Bereinigung“ zu intervenieren. Aufschlussreich für die Psyche der damaligen Regionalverwalter ist schon, dass ihnen die Schönheit des Baues verborgen blieb und ihnen auch kein zukünftiger Kulturbetrieb zur Veredelung der Region aufdämmerte Nun, jedenfalls war die Intervention trotz einiger Hindernisse erfolgreich. Immerhin hatten wir 5,2 Mio DM (entspricht heute ca. 3,7 Mio Euro) zur Verfügung. Die Profilierung des sanierten Baus, nun als Zentralwerkstatt Pfännerhall, war auf der Basis eines regionalen Kulturzentrums gedacht. Dabei war die Ausdehnung auf die Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft Teil des Planes. Wenn auch als Fossilienpark, von nicht mit Weitblick und Mut gesegneten Landkreisobrigen, verhindert gelang mit dem Alt- bzw. Waldelefanten (Meller sei Dank!) ein überragender Coup. Freilich erforderte die Projektausführung externe Mittelzuwendungen. Der liebe Staat gab uns nämlich nur circa 8% der erforderlichen Mittel; man bedenke, es handelte sich um eine gewaltig öffentlichkeitswirksame Maßnahme der Setzung eines Alleinstellungsmerkmals des Geiseltales (Seen gibt es wie Sand am Meer aber Fossilienfunde von Weltrang?). Enttäuschung und Grimm führten Luckner zu inszenatorischer Chuzpe: die Menschen wurden in einen Zuschauerraum „gesperrt“ und müssen das Exponat durch eine Glasscheibe anschauen. Freilich entstand durch die für die Ansicht der Rundumbeschaffenheit des Objektes erforderliche Drehung des Elefanten eine Attraktion, die dem Inszenator großes Lob einbrachte.

Stark motiviert erwogen Peter Luckner und Julita Jankowska-Barrot (Burgabsolventin) ein Vorhaben zur Europäischen Strategischen Partnerschaft. Der Keim ergab sich aus einem Erfahrungsaustausch mit dem Informationszentrum der polnischen Braunkohlengrube Giganty Mocy bei Belchatow. Nach Konsultationen mit der polnischen Academy of Fine Art befanden wir ein europäisches Modell zur Qualifikation der künftigen Nutzer der Rekultivierungslandschaften, also der Kinder und Jugendlichen, als Mitgestalter ihrer Lebenswelt als relevantes Projekt. Der Zuschlag wurde knapp verfehlt: die EU-Projektbewertungsagentur bezweifelte die am gewaltigen Anspruch des Projektes zu messende hinreichende Qualifikation unserer nominierten Projektpartner für dieses ambitionierte Thema.

Es folgte Luckners Versuch, die Montangeschichte des Geiseltales (Bezeichnung kommt von mons=Berg, wird allgemein für Bergbau verwendet) zu thematisieren eingedenk der Feststellung des genialen Alexis de Tocqueville „Seit die Vergangenheit aufgehört hat, ihr Licht auf die Zukunft zu werfen, irrt der menschliche Geist in der Finsternis“. Die Anwendung dieser Wahrheit hatten wir schon unserer ersten Fotoausstellung in der Maschinenhalle 1994 zugrunde gelegt; die Halle war noch voll von ursprünglicher Ausrüstung (von der wir nur die Langbettdrehmaschine und das Bohrwerk als hinreichende Erbezitate beließen). Gemäß unserer Überzeugung sollte das Folgeprojekt mit der Programmatik „Mensch und Kohle“ sowohl Ausstellung wie auch Workshopsession sein. Nach Maßgabe der Staatskanzlei hätte der Antrag über die Stadt Braunsbedra laufen müssen; eine Killerbedingung. Wir zogen den Antrag zurück.

Dem Zeitgeist folgend thematisierte Luckner die Konsultative Partizipation in ihrer Applikationsform der Beteiligungsforen. Adressat war zunächst die MIBRAG; wurde als nicht relevant abgeblockt. Weiterer Adressat war die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland (EMMD). Hier erschien eine Anwendung im Rahmen der Maßnahmen des Strukturwandels als sinnvoll und zweckmäßig. Der EMMD war die aktionistische Basisform der Partizipation, die Zukunftswerkstätten in eigener Regie, griffiger. Immerhin ergab sich der Verweis auf einen Wettbewerb des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) zum Thema „Taten für Morgen“. Luckners Projektantrag, als Vereinsprojekt zunächst legitimiert, wurde als eines der Gewinnerprojekte aus 200 Wettbewerbern prädikatisiert und erhielt den Höchst-Zuschlag. In der Folge eines Richtungsstreites im Verein wurde das Projekt durch die Mitgliederversammlung jedoch gecancelt nach etwa einer Viertel-Bearbeitung (April2020). Welche Rolle die Disruption durch Covid-19 dabei spielte ist unbestimmt. Der damit in einem strategischen Zusammenhang (Projektvernetzung!) stehende zusätzliche Förderantrag bei der Lotto-Toto GmbH zum Ausstellungs- und Workshop- Projekt „Soziotop Geiseltal“ wurde daraufhin von Luckner zurückgezogen.

Er legte seine Funktion als Vorstandsvorsitzender des Fördervereins nieder.